Pater Rupert Mayer wurde am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren. Nach seinem Theologiestudium wurde er 1899 zum Priester geweiht und trat ein Jahr später in den Jesuitenorden ein. Schon früh zeigte sich seine tiefe Verbundenheit mit den Menschen. Als Volksmissionar bereiste er viele Orte im In- und Ausland und verkündete den christlichen Glauben mit großer Überzeugung. Sein Ziel war es, den Menschen Hoffnung zu schenken und sie zu einem Leben aus dem Glauben zu ermutigen.
Während des Ersten Weltkriegs meldete sich Rupert Mayer freiwillig als Feldgeistlicher. Er begleitete die Soldaten an der Front, spendete Trost und stand den Verwundeten und Sterbenden bei. Im Jahr 1916 verlor er durch eine Granatenexplosion sein linkes Bein. Trotz dieser schweren Verletzung ließ er sich nicht entmutigen. Nach dem Krieg wirkte er vor allem in München, wo er sich mit großem Einsatz um Arme, Arbeitslose, Kranke und Obdachlose kümmerte. Wegen seiner unermüdlichen Hilfe für Menschen in Not wurde er von vielen als „Apostel Münchens“ bezeichnet.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Als die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen, widersetzte sich Pater Rupert Mayer offen ihrer menschenverachtenden Ideologie. In seinen Predigten setzte er sich für die Würde jedes Menschen, die Freiheit des Glaubens und die Rechte der Kirche ein. Er ließ sich auch durch Drohungen und Verbote nicht zum Schweigen bringen. Mehrfach wurde er von der Gestapo verhaftet, vor Gericht gestellt und schließlich in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Um ihn von der Öffentlichkeit fernzuhalten, wurde er später in das Kloster Ettal eingewiesen, wo er bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs unter Aufsicht leben musste.
Nach Kriegsende durfte Pater Rupert Mayer nach München zurückkehren. Trotz der Belastungen der vergangenen Jahre nahm er sofort wieder seine seelsorgerische Arbeit auf. Am 1. November 1945 erlitt er während einer Predigt einen Schlaganfall und starb noch am selben Tag. Sein Leben war geprägt von tiefem Gottvertrauen, Mut und tätiger Nächstenliebe. 1987 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Bis heute besuchen viele Menschen sein Grab in der Bürgersaalkirche in München und erinnern sich an ihn als einen Menschen, der seinen Glauben konsequent lebte und sich mit großer Zivilcourage für andere einsetzte.